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Die Weihnachtsgeschichte,
einmal anders erzählt:
-Brigitte Müller-
Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot vom Kaiser Augustus ausging,
dass alle Welt geschätzt würde..... so fängt die Weihnachtsgeschichte
an.
Was wäre, wenn sie sich so zugetragen hätte, und zwar in unserer
Zeit:
Und wieder einmal war Josef seinen Job los. Seine Firma hatte Konkurs
angemeldet, weil nicht genug Aufträge da waren. Maria, seine Frau,
war im achten Monat schwanger, das Arbeitslosengeld würde vorn und
hinten nicht reichen und Ersparnisse hatten sie nicht mehr. Sie hatten
alles für das neue Baby ausgegeben und dazu noch einen größeren
Kredit aufgenommen, um die neue Wohnung, die sie vor einem halben Jahr
bezogen hatten, etwas wohnlich einzurichten.
Es war zum Verzweifeln. In der näheren Umgebung wurde kein Schreiner
gesucht, also musste man weiter weg suchen, wenn man Arbeit haben wollte.
Maria sagte, es mache ihr nichts aus, schon wieder umzuziehen, noch gehe
es ihr gut.
Also, nichts wie hin zum Kiosk, sämtliche Zeitungen geholt, und die
Stellenanzeigen gelesen.
Halt, hier war was: Duisburg, ungefähr eine Stunde Fahrzeit, das
könnte man noch in Kauf nehmen und hier wohnen bleiben. Vielleicht
würde man ihn ja nehmen. Josef rief an und bekam auch ziemlich schnell
einen Termin, den er erst einmal alleine wahrnahm. Am Abend war er wieder
zu Hause, mit einem Arbeitsvertrag in der Tasche. Der Haken dabei war
nur, die Firma hatte einen Zweitsitz in Bayern, und dort sollte er arbeiten.
Am darauffolgenden Tag machten sich Josef und Maria mit ihrem klapprigen
VW-Bus auf den Weg nach Süden in die bayrische Kleinstadt, um sich
die Firma anzusehen und sich dort eine Wohnung zu suchen.
Dort angekommen, gingen sie erst einmal essen und fragten dann den Wirt,
ob er eine preiswerte Pension wüsste. Josef erzählte ihm, dass
er hier in der Groß-Schreinerei arbeiten würde und dass sie
eine Wohnung suchten. Die Pension war schnell gefunden, wo beide erst
mal eine Nacht schliefen um sich am nächsten Tag auf Wohnungssuche
zu machen.
Zum Frühstücken gingen sie wieder in den Gasthof, in dem sie
am Abend zuvor gegessen hatten. Der Wirt begrüßte sie wie alte
Bekannte und rückte auch gleich mit der Neuigkeit heraus, dass er
wüsste, wo eine preiswerte Drei-Zimmer-Wohnung zu vermieten sei.
Er gab Maria die Adresse.
Nach dem Frühstück fuhren beide direkt dorthin. Eine saubere
und, wie es schien, sehr ruhige Wohngegend hatten sie gefunden. Schöne
Einfamilienhäuser wechselten sich mit kleineren Mehrfamilienhäusern
ab. Jetzt im Spätherbst sahen die Gärten etwas trostlos aus,
aber im Frühjahr würde hier alles grünen und blühen.
Das Haus, in dem die Wohnung zu vermieten sein sollte, war ein Mehrfamilienhaus
mit acht Wohnungen und nur auf einer Klingel stand kein Name. Sie drückten
auf die unterste Schelle, in der Hoffnung, dass dort der Hausmeister wohnt.
Aber in diesem Haus gab es keinen Hausmeister. Alle Wohnungen waren Eigentumswohnungen,
die teilweise vermietet waren, so auch die freistehende Wohnung. Zum Glück
wusste der nette Herr, wem die Wohnung gehört und er rief direkt
dort an.
Der Wohnungsbesitzer kam schon nach etwa 15 Minuten dort an. Sie begrüßten
sich mit Handschlag und besichtigten die Wohnung. Sie war wunderschön,
großzügig geschnitten, mit einem tollen Blick auf die Berge
und sogar großenteils möbliert. Die Miete war erschwinglich.
Das Gehalt, welches Josef in der Probezeit erhielt, würde also reichen.
Der Mietvertrag war schnell gemacht. Josef zahlte von seinem Gehalts-
und Kostenvorschuss die Kaution und die erste Miete und bekam die Schlüssel
ausgehändigt. Da die Firma die Umzugskosten übernehmen würde,
wenn es soweit war, blieb immer noch genug Geld für die nächste
Zeit übrig.
Josef und Maria fuhren noch am gleichen Tag wieder nach Hause. Sie mussten
ihre Wohnung kündigen, einen Teil der Möbel verkaufen, womit
sie den Kredit großenteils ablösen konnten Nach drei Wochen
konnten sie aufatmen. Einen großen Teil der Möbel hatten sie
verkauft, der Kredit war komplett abgelöst. Jetzt konnte es endlich
losgehen. Sie hatten noch eine Woche Zeit, den Umzug zu organisieren.
Maria packte ihre persönlichen Sachen, die Möbel, die nicht
verkauft waren und das Kinderzimmer wurden in einen Möbelwagen gepackt,
den Josef sich ausgeliehen hatte. Der Bus blieb bei der Verleihfirma stehen.
Mit dem konnte Josef dann zurückfahren, wenn er den Möbelwagen
zurückgebracht hatte.
Die Wohnung wurde noch geputzt. Die letzte Nacht schlief man auf Matratzen
und am anderen Morgen ging es nach einem Frühstück, welches
aus belegten Brötchen vom Bäcker und einem Liter Milch bestand,
endlich in Richtung neues Zuhause.
Die Fahrt verlief reibungslos und ohne größere Staus, so dass
sie am Nachmittag an ihrer neuen Wohnung ankamen.
Vor dem Haus standen zwei weitere Möbelwagen. Die zwei dachten sich,
aha, noch mehr neue Mieter, dann sind wir ja nicht die einzigen neuen
im Haus. Sie stellten das Auto in eine freie Parklücke und gingen
erst einmal in die Wohnung.
Schon unten im Hausflur hörten sie einen fürchterlichen Lärm,
als wenn sich zwei Männer stritten, wenn nicht gar prügelten.
Sie gingen hinauf und blieben verblüfft stehen.
Ihre Wohnungstür stand offen, darin standen einige Leute, Möbel,
die nicht da hineingehörten und jede Menge Umzugskartons. Zwei Männer
schrieen sich an. Der eine hatte einen hochroten Kopf, so als ob er gleich
einen Herzinfarkt bekommen würde. Zwei Frauen standen daneben und
diskutierten heftig miteinander.
Josef ging in die Wohnung und versuchte, die beiden Streithähne zu
beruhigen.
"Was machen Sie in meiner Wohnung?", fragte Josef. "Wie
Ihre Wohnung? Meine", riefen beide Männer wie aus einem Mund.
Jetzt versteh ich gar nichts mehr, dachte sich Josef und fragte: "Wer
ist denn jetzt wer und was tun sie hier? Das ist meine Wohnung, ich habe
sie vor vier Wochen gemietet. Hier ist mein Mietvertrag." Er kramte
den Vertrag aus seiner Tasche und hielt ihn hoch.
"Ach ja?" sagte der erste Mann, "und was ist das hier,
he?" Er hatte eine Aktentasche bei sich, riss sie jetzt auf und holte
auch einen Mietvertrag aus der Tasche. Der zweite Mann sagte nichts, griff
in seine Jackentasche und legte ein Papier neben die anderen, das sich
auch als Mietvertrag entpuppte.
Genau wie Josef hatten die zwei anderen die Kaution und die erste Miete
bezahlt. Der Vermieter hatte den beiden genau wie Josef die Schlüssel
gegeben. Alle drei hatten die Wohnung zum gleichen Datum gemietet.
Die Polizei wurde gerufen, eine Anzeige gegen den Vermieter aufgegeben
und eine Beschreibung des Vermieters von allen dreien gemacht. Sie waren
absolut identisch.
Es stellte sich heraus, das der "Vermieter" ein gerissener Betrüger
ist, der Wohnungen anmietet, natürlich unter falschem Namen, und
dann an mehrere Personen gleichzeitig weiter vermietet. Es war ein bundesweit
gesuchter Betrüger, dem Josef und Maria und die beiden anderen Familien
aufgesessen waren.
Einer der geprellten Mieter hatte Verwandte im Ort, zu denen sie erst
einmal fuhren, um dann weiter zu sehen. Die andere Familie fuhr nach einigen
Telefonaten einfach wieder zurück. Sie würden erst einmal bei
Verwandten unterkommen und sich von dort nach einer neuen Wohnung umsehen.
Aber was war mit Josef und Maria?
Sie konnten nicht mehr nach Hause, weil der größte Teil ihrer
Möbel verkauft und die alte Wohnung vermietet war. Eigentlich hätten
sie ja noch zwei Monate wohnen bleiben können, aber sie hatten sich
mit dem Vermieter und den Nachmietern geeinigt, so dass sie schneller
aus dem Mietvertrag entlassen wurden. Sie hatten auch keine Verwandten,
wo sie hätten unterkommen können. Maria setzte sich ins Auto
und weinte. Josef tröstete sie, so gut er konnte; er war ja selbst
mit den Nerven am Ende. Nachdem sich beide etwas beruhigt hatten,
fuhren sie in das Gasthaus, in dem sie auch das erste Mal, als sie hier
waren, zu Abend gegessen hatten.
Der Wirt war untröstlich und jammerte: "Es ist alles meine Schuld!
Ich hab ihnen gesagt, da ist was frei. Hätte ich doch bloß
meinen Mund gehalten!"
"Wer hätte das denn wissen können," sagte Maria zu
ihm, "nun machen sie sich mal keine Vorwürfe. Irgendwie wird
es schon weitergehen." "Wenn wir nur wüssten, wo wir jetzt
hin sollen. Ich werde Montag meinen Job antreten und wir haben keine Wohnung.
Wir können doch nicht in unserem VW-Bus leben. Und von jetzt auf
gleich eine Wohnung zu finden ist bestimmt nicht leicht."
"Sie können Ihre Möbel erst mal bei mir unterstellen. Ich
habe einen großen Keller," bot sich der Wirt an, "und
bis dahin wohnen sie erst mal in der Pension. Ich rede mit der Wirtin,
dass sie ihnen eine guten Preis macht. Hoffentlich finden sie noch ein
Plätzchen. Es ist zwar noch keine Ferienzeit, die beginnt erst in
der nächsten Woche, aber wir sind ziemlich ausgebucht, weil in der
Nachbarstadt ein Kongress stattfindet, und wenn da keine Übernachtungs-möglichkeit
mehr ist, weichen die Leute in die umliegenden Orte aus. Für uns
ist das natürlich eine zusätzliche Einnahmequelle, aber für
sie ist das natürlich jetzt nicht so gut."
In der Pension bekamen sie für diese Nacht ein Zimmer. "Ab morgen
sind meine Zimmer alle belegt", sagte die Wirtin mit großem
Bedauern. "Aber wir werden uns nach etwas anderem umsehen. Wir finden
bestimmt was."
In dieser Nacht schlief Maria sehr schlecht. Sie hatte Angst, ihre Beine
taten weh, ihr Rücken schmerzte und sie fragte sich, ob sie eine
Wohnung finden würden, bevor das Kind zur Welt kommt.
Am nächsten Tag stellten sie ihre Möbel im Keller des Gasthauses
unter und Josef brachte den Umzugswagen zurück. Er würde in
seinem Bus schlafen und am anderen Morgen ganz früh zurückfahren.
Die Wirtin bot Maria ihre Schlafcouch an für die Nacht, in der Josef
nicht da war, die Maria auch dankbar annahm.
Am nächsten Nachmittag, als Josef wieder zurück war, gingen
sie auf Zimmer- und Wohnungssuche. Es war zum Verzweifeln. Nirgendwo auch
nur das kleinste Zimmerchen, wo beide einen Platz für die Nacht gehabt
hätten. Sogar die Bauern hatten alles vermietet, was sich nur vermieten
ließ.
Alle bedauerten es sehr, nachdem sie die ganze Geschichte gehört
hatte, die Maria und Josef mit der neuen Wohnung zugestoßen war,
aber machen konnten sie trotzdem nichts. Der letzte Bauer, bei dem die
beiden ihr Glück versuchten, war ein etwas kauziger Mann mit einem
dichten Vollbart und einer Pudelmütze auf dem Kopf.
Nachdem Maria ihre Geschichte zum fünfunddreißigsten Mal erzählt
hatte, bot er ihnen schließlich an: "Ich habe kein Zimmer mehr
frei, aber ich sehe, ihr könnt nicht mehr. Stellt euer Auto hinter
die Scheune. Ich hol euch warme Decken. Wenn es euch nichts ausmacht,
im Heu zu schlafen und ab und zu mal das Geräusch einer Kuh zu hören,
dürfte es für ein oder zwei Nächte gehen. Mein Stall ist
sauber, er stinkt nicht, und was anderes hab ich nicht mehr. Außerdem
ist es im Heu wunderbar warm. Und frühstücken könnt ihr
morgens mit den anderen Gästen."
Josef und Maria freuten sich. Auch das Angebot, mit dem Bauern noch zu
Abend zu essen, schlugen sie nicht ab. Es gab einen leckeren Eintopf,
den beide mit gutem Appetit aßen. Bei einem Gläschen Wein wurde
noch etwas geredet, bis Maria anfing, hinter vorgehaltener Hand zu gähnen.
Sie verabschiedeten sich, um schlafen zu gehen.
Der Bauer bemerkte, wie Maria beim Hinausgehen leise stöhnte. "Haben
Sie Schmerzen? Für wann sind sie denn ausgerechnet?" fragte
er Maria. Sie sagte: "Eigentlich hab ich noch zwei Wochen Zeit. Vielleicht
sind es ja nur Vorwehen." "Bis ins Krankenhaus ist es zu weit,
aber hier am Ort wohnt und praktiziert eine Hebamme, die schon viele unserer
Kinder auf die Welt geholt hat. Ich werde ihr vorsorglich Bescheid sagen,
dass sie sich bereit halten soll. Sollte das Kind heute nacht schon kommen
wollen, klopfen sie mich ruhig aus dem Schlaf. Ich verständige dann
sofort die Hebamme."
Man verabschiedete sich und als Josef und Maria sich hingelegt hatten,
schliefen sie auch sofort ein.
In der Nacht wurde Josef durch ein Geräusch wach und hörte ein
leises Stöhnen. "Maria, was ist, hast du Schmerzen?" fragte
er besorgt. Maria stöhnte wieder und sagte: "Geh zum Bauern,
er soll die Hebamme holen, ich glaube, unser Kind kommt schneller, als
ich dachte!" "Und morgen ist Weihnachten. Dann wird unser Baby
womöglich ein Christkind," scherzte Josef.
Er zog sich Hose, Jacke und Schuhe an und rannte zum Bauernhaus, um den
Bauern zu wecken. Das brauchte er nicht, denn obwohl es schon kurz nach
Mitternacht war, war er noch auf. Sofort ging er zum Telefon, um die Hebamme
zu informieren.
Josef lief zurück zu Maria, die ganz blass und verschwitzt im Stroh
lag. "Ich glaube, für die Hebamme ist es zu spät, das Kind
kommt. Hol schnell heißes Wasser und ein paar Tücher und dann
hilf mir bitte." Josef tat, was Maria gesagt hatte. Als er mit den
Tüchern und dem Wasser zurückkam, war das Baby schon geboren.
Maria lag fix und fertig, aber glücklich lächelnd auf ihrem
Strohbett und fragte: "Was ist es? Geht es dem Baby gut?"
Im gleichen Moment fing der Säugling an zu schreien. Josef nabelte
das Kind ab. "Es ist ein Junge, also doch ein Christkind," sagte
er und man merkte, dass ihm ein dicker Kloß im Hals saß.
Er wusch den Jungen und wickelte ihn in warme Tücher, legte ihn für
einen Moment in eine in der Nähe stehende Futterkrippe, um Maria
beim Waschen und umkleiden zu helfen. Sie waren mit der Prozedur gerade
fertig geworden und Maria hatte sich wieder hingelegt, da kamen die Hebamme,
der Bauer und einige Gäste aus dem Haus, um das Wunder zu bestaunen.
Keiner hatte damit gerechnet, dass ausgerechnet in dieser Nacht hier ein
Kind geboren wird, dazu noch in einer Scheune, wie vor fast 2000 Jahren
das Christuskind. Die Hebamme scheuchte alle aus dem Stall, um Maria und
das Kind zu untersuchen. Nach ein paar Minuten durften alle wieder hinein.
Ein paar Gäste brachten Obst, Blumen, Teddys und Stofftiere für
Mutter und Kind mit. Eine Nachbarin kam und brachte Babykleidung. Woher
sie so schnell von dem Kind erfahren hatte, blieb ein Rätsel. Ein
weiterer Gast brachte ein Kissen für das Kind.
"So, jetzt ist aber Schluss. Mutter und Kind müssen sich ausruhen."
Die Hebamme sprach ein Machtwort und meinte zu Maria: "Morgen komm
ich wieder und seh´ nach ihnen beiden. Benötigen Sie noch etwas,
das ich Ihnen mitbringen kann?" "Ja, die Zeitung, wir müssen
doch eine Wohnung suchen," meinte Josef.
"Wohnung, wer sucht eine Wohnung?" meldete sich ein Hausgast.
"Wir," sagte Josef und erzählte dem Gast seine Geschichte.
Der Gast, der sich als Herr Kasper vorstellte, erklärte, dass eine
Wohnung, zwar nicht hier, sondern ungefähr 20 km entfernt schon seit
einiger Zeit frei stünde, die ihm gehört. Er wollte sie eigentlich
für seine Tochter haben. Die lebte aber seit einem halben Jahr mit
einem Mann in Amerika, den sie sehr liebte und den sie wohl auch heiraten
würde, wie er erzählte.
"Das darf doch nicht wahr sein, das ist ja eine Überraschung,"
freute sich Maria und lachte und weinte gleichzeitig. Herr Kasper sagte:
"Wenn sie sich erholt haben und wieder richtig auf den Beinen sind,
fahren wir, und schauen uns die Wohnung an und sie können entscheiden,
ob sie sie haben wollen oder nicht. Aber jetzt ruhen sie sich erst einmal
aus. Ich würde ihnen gerne mein Zimmer zur Verfügung stellen,
aber darin steht nur ein schmales Bett." "Das ist schon gut
so," gab Maria zur Antwort, "das Stroh ist warm, wir haben Platz
und das Baby stört hier niemanden, wenn es anfängt zu schreien.
Lassen sie uns noch zwei bis drei Tage Zeit, dann können wir mit
ihnen fahren." So wurde es beschlossen und alle Gäste, der Bauer
und auch die Hebamme gingen wieder ins Haus zurück. Dann fing das
Baby an zu schreien und forderte sein Recht. Maria legte es an die Brust,
so wie es ihr die Hebamme gezeigt hatte.
Josef saß mit verklärtem Blick daneben und beobachtete die
beiden. Irgendwann fielen ihm die Augen zu. Als er wieder wach wurde,
war heller Tag und es roch nach Kaffee.....
Er staunte nicht schlecht, als er einen Tisch, zwei Stühle und ein
ausgiebiges Frühstück für zwei Personen auf diesem Tisch
sah. Sogar einen kleinen Tannenbaum mit einer Lichterkette und bunten
Kugeln hatte der Bauer im Stall für sie aufgestellt. Sie frühstückten
und Josef brachte hinterher alles ins Haus. Er bedankte sich bei allen
Gästen, die noch im Frühstückszimmer saßen und ging
wieder zu Frau und Kind.
Als Maria wieder auf den Beinen war, fuhren sie mit Herrn Kasper in den
Nachbarort, um sich die Wohnung anzusehen. Sie war nicht sehr groß,
aber für die drei jungen Menschen reichte die Wohnung vollkommen.
Außerdem war sie nicht zu teuer.
Maria und Josef schlossen mit Herrn Kasper den Mietvertrag, bezahlten
die erste Miete und konnten sofort einziehen. Die Möbel holten sie
mit einem Leih-Möbelwagen aus dem Keller des netten Wirtes. Ihre
andere Habe hatten sie in ihrem alten VW-Bus.
Eine Woche später war die Wohnung einigermaßen eingerichtet
und Maria konnte sich mit dem Baby jetzt endlich etwas ausruhen und erholen.
Josef ging seiner Arbeit als Schreiner nach, die ihm sehr gefiel. Auch
das Betriebsklima war sehr gut. Wenn er abends nach Hause kam, spielte
er mit dem Baby und Maria bereitete das Essen zu.
Vier Wochen später, nachdem Josef seinen ersten Gehaltsscheck erhalten
hatte, luden sie alle Menschen ein, die ihnen geholfen hatten.
Es wurde ein sehr schöner Abend, Erinnerungen wurden ausgetauscht
und es wurde sehr viel gelacht. In den Menschen aus dem Bergdorf hatten
sie Freunde fürs Leben gefunden.
Fortan lebten sie glücklich und sehr zufrieden in ihren neuen vier
Wänden.
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